Yanque, ein kleines Dorf mit einer interessanten Geschichte und einer wundervollen Aussicht auf den Canon del Colca führte uns durch einen Volunteerjob zusammen. Einen Monat verbrachten wir an einem Ort in dem wir viel erleben und kennenlernen durften. Nicht nur der Austausch mit den Hotelbesuchern verschiedener Länder, insbesondere die Zusammenarbeit mit den Angestellten aus dem Dorf sowie weiteren Freiwilligen aus anderen Ländern haben uns viele wertvolle und kulturelle Erfahrungen gebracht, die es uns erlaubt haben in ein familiäres und traditionelles Umfeld einzubinden. Beim Fest der Virgen de Chapi konnten wir die Kultur sowie die Menschen vor Ort noch besser kennenlernen. Das traditionelle Fest wird eine Woche lang ab dem 1. Mai gefeiert und wechselt täglich den Veranstaltungsort von Dorf zu Dorf des Canons. Es gibt Feste sowohl am Tag als am Abend. Am Tage trifft man sich am Platz wo berühmte Stierkämpfer in der Arena auftreten. Ein Ereignis an dem die gesamte Familie teilnimmt. In den Abenden werden Konzerte lokaler als auch nationalen Musikgruppen realisiert, die mit Chicha, einem traditionellen Maisgetränk, und kreisenden Tänzen um das kleine Lagerfeuer gefeiert werden. In Yanque finden die Feste am Tage mit ihren Stierkämpfen auf einem kleinen Hügel außerhalb des Dorfes statt. Die Hauptveranstaltung in Yanque in der Feierwoche der Virgen de Chapi ist der sogenannte Wettbewerb der drei Kreuze. Hierzu wird das kleine Dorf in drei Sektoren aufgeteilt um jeweils seine eigene Feier zu organisieren. Am Veranstaltungstag finden in jedem Sektor die dafür geplanten Feiern statt bis diese am Hauptplatz vor der Kathedrale in Yanque zusammenkommen. Dort wird der Wettbewerb zwischen den verschiedenen Musikgruppen der Sektorfeste abgehalten, bei dem der Gewinner die nächstjährige Veranstaltung organisieren darf.

Am Tage sorgt die Sonne für ein angenehmes Klima, was sich perfekt für Wander und Fahrradausflüge eignet. Führungen zu den Ruinen in Uyo Uyo über die Thermalbäder in Yanque haben wir täglich für die Hotelgäste veranstaltet, was uns besonders großen Spaß gemacht hat, da ein Austausch mit den Gästen möglich war und wir gleichzeitig mehr über die Geschichte des Ortes erfahren konnten. Uyo Uyo ist eine archäologische Stätte auf der rechten Seite des Flusses Cauca. Die Ruinen stammen aus der Pre-Inker Zeit in den Jahren 1300-1450 n. Chr. und wurden von den Collaguas bewohnt. Anhand der Ruinen kann man den architektonischen Fortschritt deren durch den Einfluss der Inker erkennen. Hauptsächlich befassten sie sich mit der Fischerei als auch dem Ackerbau. Durch die Errichtung von Ackerflächen in Form von Terrassen entlang der Berge verdankt das Colca Tal seine einzigartige Landschaft mit natürlichem Bewässerungssystem, welches auch heute noch verwendet wird. Auch eine Wanderung nach Coporaque ist sehr empfehlenswert und garantiert spektakuläre Ausssichten auf das Tal bei einem Marsch von ca. fünf Stunden über einsame Wanderwege, die dich mit der kraftvollen Atmosphäre verbinden lassen. In Coporaque befinden sich die Grabstätten der Collaguas, wo die letzten Überreste der Pre-Inker liegen, deren Schädel einen unglaublichen Anblick hinterlassen. Aufgrund der Glaubenssätze der Kollaguas werden schon kurz nach der Geburt jedes Kindes, dessen Schädel durch Holzstäbe der Länge oder der Breite nach zusammengedrückt, was zu einer außergewöhnlichen Deformierung der Schädel führt, die man bei den Grabstätten betrachten kann.

Ein absolutes Muss im Canon del Colca ist ein Stop am Kreuz des Kondors Cruz del Condor, wo die beliebten Anden-Vögel ihr Zuhause haben und sich besonders gut ablichten lassen. Jeden Tag kann man dort den größten Greifvogel der Welt mit einer Flügelspannweite von drei Metern betrachten und Handfertigungen der Dorffrauen bewundern. Am höchsten Punkt des Canons in 3.287 km über dem Meeresspiegel liegt Cabanaconde, von wo die unglaubliche Weite und Größe des Canons erst richtig zum Ausdruck kommt. Um zum Fuße des Canons nach Sangalle, oder auch Oasis genannt, zu gelangen, folgt man einem der Wanderrouten. Eine Wanderkarte mit allen nötigen Informationen wird bei der Registrierung vor dem Abstieg am Hauptplatz in Cabanaconde ausgehändigt, wo auch die Busse von und nach Chivay und Arequipa ankommen bzw. abfahren. Dort wird auch die Gebühr von umgerechnet ca. 23 USD entrichtet. Es gibt verschiedene Treks mit unterschiedlichen Anspruchsgraden und Wanderstunden, die über weitere Dörfer des Canons und auf der rechten Seite des Flusses führen. Der ca. vierstündige Aufstieg von Sangalle nach Cabanaconde ist nicht ganz ohne und ist in den frühen Morgenstunden zu empfehlen, wenn die Sonne noch unterhalb des Canongipfels steht. Die letzten Busse nach Chivay und Arequipa fahren um 15 Uhr vom Hauptplatz ab. Die Tickets kauft man vor Ort in einem Kiosk des Platzes. Bei der wundervollen Aussicht aus dem Bus, der entlang des Canons durch die kleinen Dörfer nach Chivay gelangt und bei der weiteren Route nach Arequipa eine Aussicht auf aktive Vulkane und trockene Gebirge bis ins wunderschöne koloniale Zentrum Arequipas bietet, sind die Schmerzen des Aufstiegs schnell vergessen.

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